Tamera
Friedensausbildung und Wassermanagement in einer sehr trockenen Region
Tamera ist eine Ende der Siebziger gegründete Arbeits- und Lebensgemeinschaft, die sich auf die Erschaffung von Modellen für ein friedliches Zusammenleben zwischen Menschen, Tieren und der Natur konzentriert bei gleichzeitiger regionaler Autarkie in Bezug auf Energie und Lebensmittel. Die Community umfasst circa 200 Personen und das Gelände ist etwa 130 ha groß. Ziel ist Aufbau eines Siedlungsmodells mit sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit und Gewaltfreiheit - als eine Art „Feldbildung“ des Friedens.
Die Community verbindet Friedenserziehung mit einem Verständnis von Spiritualität, das eine konstruktive Beziehung sowohl zu anderen Menschen als auch zur Natur umfasst. Dabei sieht sie Spiritualität und Religion nicht im Kontext eines bestimmten Glaubensbekenntnisses oder einer religiösen Lehre an, sondern Ausdruck einer klaren Wahrnehmung, Offenheit und einer lebendigen Verbindung zu universellen Kräften im täglichen Leben.
“Ich war stark beeindruckt von der Energie der Dorfbewohner für die vielen Projekte zur Selbstversorgung und zur Erforschung und Entwicklung neuer Lebensweisen, die sie auf ihrem Gelände organisieren. Hinzu kommt die Einbindung von Gästen und Seminarteilnehmern und der internationale Austausch mit anderen Projekten.
Ich empfand zudem eine entspannte Lebendigkeit, die sich besonders bei dem Abschiedsfest mit den Dorfbewohnern zeigte. Was mich auch sehr beeindruckt hat, war der Anblick des schönen großen Stausees und der vielfältigen Bepflanzung an seinen Ufern.”
Beschreibung von Gerd Merlau, weitere siehe hier (https://www.tamera.org/testimonials/).
Eindrücke von Landwirtschaft und Gemeinschaft
Was wurde konkret erreicht?
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Boden fruchtbar halten
Beobachtung: Konkrete Maßnahmen zur gezielten Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit werden in den verfügbaren Berichten nur am Rande beschrieben. Die Gemeinschaft berichtet jedoch über Humusaufbau, Wiederbewaldung, regenerative Bewirtschaftung und Wasserrückhalt als zentrale Elemente ihrer Landschaftsregeneration. Zudem werden mehrere Tonnen Oliven sowie weitere landwirtschaftliche Produkte auf Flächen erzeugt, die zuvor als trocken und degradiert galten.
Wirkung: Die Berichte deuten darauf hin, dass sich die Bodenqualität und die landwirtschaftliche Nutzbarkeit der Flächen verbessert haben. Quantitative Daten zur Entwicklung der Bodenfruchtbarkeit (z. B. Humusgehalt, Bodenbiologie oder Ertragssteigerungen) wurden jedoch nicht veröffentlicht.
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Wasser im System halten
Beobachtung: Seit 2007 errichtet Tamera gemeinsam mit Nachbarn aus der Region auf dem rund 130 Hektar großen Gelände eine Wasserrückhaltelandschaft mit 29 Seen und weiteren Rückhaltestrukturen. Die Wasserfläche wurde von etwa 0,6 auf über 8 Hektar erweitert. Ziel ist es, Regenwasser in der Landschaft zu halten, Grundwasserleiter wieder aufzufüllen sowie Erosion und Austrocknung entgegenzuwirken.
Wirkung: Nach Angaben der Projektträger verbesserten sich Vegetation, Wasserverfügbarkeit und die Lebensräume für Wildtiere deutlich. Die Maßnahmen bilden zugleich die Grundlage für eine langfristige Regeneration von Boden und Landschaft sowie für eine verbesserte landwirtschaftliche Nutzbarkeit der Flächen.
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Regionale Versorgung stabilisieren
Beobachtung: Tamera berichtet über eine eigene landwirtschaftliche Produktion sowie über Beratungen und die Unterstützung von Wasserrückhaltemaßnahmen in der Region. Das Projekt entwickelte sich zu einem bekannten Demonstrations- und Lernort für Wassermanagement im trockenen Alentejo. Veröffentlichte Daten zum Umfang der regionalen Agrarproduktion oder zur Zahl der übernommenen Maßnahmen liegen jedoch nicht vor.
Wirkung: Das Projekt trägt nach eigenen Angaben zur Verbreitung von Wissen über Landschaftsregeneration und Wassermanagement in der Region bei. Ein quantitativer Beitrag zur regionalen Lebensmittelversorgung oder zu regionalen Ertragssteigerungen lässt sich anhand der veröffentlichten Quellen derzeit jedoch nicht belegen.
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Beziehungen und Kompetenzen entwickeln
Beobachtung: Tamera versteht Gemeinschaft als Lernumgebung, in der Menschen durch gemeinsames Arbeiten, Feedback, Reflexion und gemeinsame Verantwortung sowohl ihre zwischenmenschlichen Beziehungen als auch ihre fachlichen, sozialen und persönlichen Kompetenzen weiterentwickeln. Lernen findet dabei nicht nur in Seminaren, sondern im Alltag der Gemeinschaft statt.
Wirkung: Höhere Kooperationsfähigkeit, stärkere Vertrauensbeziehungen und eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Fähigkeiten, die für das Zusammenleben und die Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen erforderlich sind.
Beobachtbare Nachhaltigkeitsfaktoren
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1. Gemeinschaft durch authentischen Dialog stärken (Einheit der Menschheit):
Beobachtung: Die Gemeinschaft nutzt das sogenannte Forum, einen strukturierten Prozess, in dem Menschen lernen, ihre Gedanken, Gefühle und inneren Beweggründe offen und authentisch vor anderen auszudrücken. Dabei erleben die Teilnehmenden, dass sie auch mit unterschiedlichen Sichtweisen und persönlichen Themen angenommen bleiben und ihren Platz in der Gemeinschaft haben.
Wirkung: Vertrauen, gegenseitiges Verständnis und zwischenmenschliche Verbundenheit werden gestärkt. Dadurch wächst die Fähigkeit, Unterschiede zu überbrücken und als Gemeinschaft zusammenzuhalten. Das Forum gilt als ein wesentlicher Faktor für den langfristigen Zusammenhalt und die Beständigkeit der Gemeinschaft.
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2. Zusammenarbeit mit natürlichen Systemen (Menschen als Treuhänder der Natur)
Beobachtung: Tiere und andere Organismen werden als Teil eines gemeinsamen Ökosystems betrachtet. Die Gemeinschaft erforscht Wege des Zusammenlebens mit Wildtieren und setzt auf Beobachtung, Anpassung der Bewirtschaftung sowie nicht-tödliche Konfliktlösungen anstelle von Vertreibung oder Bekämpfung.
Wirkung: Größeres Verständnis ökologischer Zusammenhänge, Förderung der Artenvielfalt und Entwicklung von Praktiken, die menschliche Nutzung und natürliche Lebensräume besser miteinander verbinden. -
3. Zusammenarbeit auf Augenhöhe (Gerechtigkeit und gleichberechtigte Beziehungen)
Beobachtung: Tamera entwickelte soziale Strukturen, die auf Transparenz, gegenseitigem Feedback und gemeinsamer Verantwortung beruhen. Konflikte und Spannungen werden möglichst offen angesprochen und in gemeinschaftlichen Prozessen bearbeitet. Entscheidungen sollen nicht von Einzelpersonen oder charismatischen Führungspersonen abhängen, sondern durch Beteiligung, Vertrauen und gemeinsame Verantwortung getragen werden. Auch wirtschaftliche Fragen werden transparent behandelt und regelmäßig in gemeinschaftlichen Versammlungen beraten.
Wirkung: Höhere Akzeptanz von Entscheidungen, stärkere Vertrauensbeziehungen und eine Kultur, in der Verantwortung und Einfluss breiter verteilt werden. Dies fördert den langfristigen Zusammenhalt der Gemeinschaft und reduziert die Gefahr von Machtkonzentration und verdeckten Konflikten.
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4. Aktive Teilhabe und Mitverantwortung (Universelle Beteiligung)
Beobachtung: Die Gemeinschaft fördert die Beteiligung ihrer Mitglieder an Entscheidungsprozessen, gemeinschaftlichen Aufgaben und der Weiterentwicklung des Zusammenlebens. Durch regelmäßige Versammlungen, Arbeitsgruppen, Feedbackprozesse und das Forum werden Menschen ermutigt, eigene Sichtweisen einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und an der Gestaltung der Gemeinschaft mitzuwirken.
Wirkung: Höhere Identifikation mit gemeinsamen Zielen, größere Transparenz und stärkere Bereitschaft, Verantwortung für Entscheidungen und deren Umsetzung zu übernehmen. Dadurch entstehen belastbare Vertrauensbeziehungen und eine hohe Fähigkeit zur gemeinschaftlichen Selbstorganisation.
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5a. Wasser in der Landschaft halten und natürliche Kreisläufe wiederherstellen (Kompetenzentwicklung: handwerklich-wissenschaftlich-technisch)
Beobachtung: Durch den Bau von Teichen, Rückhaltebecken, Gräben und Terrassen wird Regenwasser möglichst dort zurückgehalten, wo es fällt. Ergänzt wird dies durch Wiederbewaldung, Humusaufbau, Bodenverbesserung und vielfältige Bepflanzung. Ziel ist es, Wasser versickern zu lassen, den Grundwasserleiter wieder aufzufüllen und die natürliche Speicherfähigkeit der Landschaft zu erhöhen.
Wirkung: Weniger Erosion und Oberflächenabfluss, höhere Wasserspeicherung im Boden sowie eine größere Widerstandsfähigkeit gegenüber Dürre, Starkregen und Waldbränden. Gleichzeitig verbessern sich Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und die langfristige landwirtschaftliche Nutzbarkeit der Flächen. -
5b. Spirituelle Fähigkeiten und Verbundenheit fördern (Kompetenzentwicklung geistig):
Beobachtung: Die Gemeinschaft versteht Spiritualität als bewusste Praxis der Wahrnehmung, Reflexion und Verbundenheit mit anderen Menschen, der Natur und dem eigenen Handeln. Spirituelle Übungen, gemeinschaftliche Prozesse und Naturerfahrungen werden genutzt, um Aufmerksamkeit, Offenheit und Verantwortungsbewusstsein zu fördern.
Wirkung: Stärkere Orientierung an langfristigen Zielen, höhere Sensibilität für soziale und ökologische Zusammenhänge sowie die Fähigkeit, das eigene Handeln in einen größeren Zusammenhang einzuordnen.
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5c.Soziale und persönliche Fähigkeiten (Kompetenzentwicklung: sozial und moralisch):
Beobachtung: Lernen findet überwiegend in Gemeinschaft statt. Durch gemeinsames Arbeiten, Feedbackprozesse, Reflexion und die aktive Beteiligung am Gemeinschaftsleben werden Fähigkeiten wie Kooperation, Kommunikation, Konfliktbearbeitung, Verantwortungsübernahme und gegenseitige Unterstützung entwickelt.Wirkung: Hohe Kooperationsfähigkeit, stärkere Vertrauensbeziehungen und eine verbesserte Fähigkeit, soziale Spannungen konstruktiv zu bearbeiten und gemeinsame Vorhaben dauerhaft zu tragen.
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6. Lernen als gemeinschaftlicher Entwicklungsprozess (Kollektives Lernen):
Beobachtung: Die Gemeinschaft versteht Lernen nicht als reine Wissensvermittlung, sondern als fortlaufenden Prozess gemeinsamer Erfahrung, Beobachtung, Reflexion und Rückmeldung. Neue Ideen und Praktiken werden erprobt, ausgewertet und auf Grundlage der gewonnenen Erfahrungen weiterentwickelt.Wirkung: Kontinuierliche Anpassungs- und Lernfähigkeit der Gemeinschaft sowie die Möglichkeit, auf neue soziale, ökologische oder organisatorische Herausforderungen flexibel zu reagieren und daraus neues Wissen zu entwickeln.
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7. Entscheidungen dort treffen, wo Wissen und die Bedürfnisse der Betroffenen zusammenkommen (Kollektives Lernen):
Beobachtung: Entscheidungen werden möglichst von den Menschen getroffen, die von ihnen betroffen sind oder über das notwendige Wissen und die Ressourcen verfügen. Größere Vorhaben werden durch offene Arbeitsgruppen vorbereitet und anschließend in einem zustimmungsbasierten Verfahren weiterentwickelt, das auf Integration unterschiedlicher Perspektiven statt auf Mehrheitsentscheidungen setzt.
Wirkung: Verantwortung wird auf viele Schultern verteilt, lokales Wissen besser genutzt und die Akzeptanz von Entscheidungen erhöht. Gleichzeitig stärkt der Prozess Vertrauen, Eigeninitiative und die Fähigkeit der Gemeinschaft, auch komplexe Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen.
Ideen für Nachhaltigkeitsindikatoren über Umsatz, Gewinn und BIP hinaus
Die folgenden Indikatoren sollen als Anregung für Forschung und Praxis dienen. Sie sind nicht als systematische nachträgliche Bewertung der Bauernhöfe zu verstehen und wurden im Rahmen der Fallstudie nicht quantitativ erhoben.
Finanzielle Autonomie: Sie wird in den Berichten von Tamera mit ca. 70 % angegeben.
Relevanz
Tamera verfügt über große Erfahrung im Aufbau von Wasserrückhaltebecken und Wassermanagement. Vor dem Hintergrund, dass in vielen Ländern der Grundwasserspiegel rückläufig ist, ist das sehr wertvoll. Das gilt ebenso für den Aufbau von nachhaltigen Energiesystemen (z.B. Biogas).
Die Community ist es gewohnt, ihr Wissen auf Augenhöhe mit anderen Interessierten, Gemeinden und Projekten auszutauschen – sowohl indem sie eigene Erfahrungen weitergibt als auch indem sie von anderen lernt. Ein Beispiel hierfür ist der Austausch mit Rajendra Singh, dem Träger des Stockholmer Wasserpreises 2015. Singh mobilisierte Dorfgemeinschaften in Rajasthan zum Bau tausender traditioneller Wasserrückhaltestrukturen (Johads), trug zur Wiederbelebung mehrerer Flüsse bei und verbesserte die Wasserversorgung von über 1.000 Dörfern.
Quellen und weiterführendes Material
Bericht von Gerd Merlau aus Tamera und weitere Testimonials
Bild von Simon du Vinage unter https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tamera_Wasserretentionslandschaft
Bild von Simon du Vinage unter https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tamera_-_Permaculture_Garden.jpg
Bild von Simon du Vinage unter https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tamera_-_Aerial_Lake_1.jpg
https://de.wikipedia.org/wiki/Tamera und https://en.wikipedia.org/wiki/Tamera
Einführender Film über Wasserrückhaltung in Tamera mit den Projektverantwortlichen vor Ort (Sepp Holzer, Bernd Müller), ca. 13 min